Bewaldung kahler Berge in Nepal


Bewaldung kahler Berge in Nepal

In Nepal, nahe der wunderschönen Altstadt von Bandipur wird ein kahler, komplett erodierter Hügel aufgeforstet. Dabei kommt die Kombination mehrerer innovativer Technologien zum Einsatz: Organische Substrate auf der Basis von Pflanzenkohle werden in Wurzelzonenanwendungen verwendet. Nebelschwaden werden durch spezielle Netze geblasen, um Bewässerungswasser zu gewinnen. Die Bäume werden einzeln in die Mitte von neuartigen Wasserboxen gepflanzt, wodurch mit geringsten Wassermengen das Wurzelwachstum stimuliert wird. Die Wasserboxen wiederum werden vor Ort aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Wenn alles klappt, wird der wachsende Wald bereits in wenigen Jahren die Quellen am Fuße des Hügels wieder sprudeln lassen. Die Bäume werden Früchte, Arzneimittel, Futter und Brennholz liefern, die Tierwelt wird ins neue Waldökosystem zurückkehren und die Bäume der Atmosphäre CO2 entziehen. Da die Aufforstung des kahlen Berges diesen also zu einer Kohlenstoffsenke werden lässt, kann sich dieses Projekt des Ithaka Instituts insbesondere durch die Ausgabe von CO2-Abos finanzieren. Möge es ein Beispiel werden, wie die Aufforstung von kahlen Hügeln und Bergen in vielen Regionen und Ländern finanziert und realisiert werden können.

In Nepal wurden Siedlungen und Dörfer meist an solchen Stellen errichtet, wo es ausreichend Quellen für die Trinkwasserversorgung und genügend Wald für Brennholz gab. In der Regel ist dies am Fuße von Hügeln und Bergen gegeben. Deshalb enthalten viele Dorfnamen gerade in Nepal die Wörter Holz, Wald und Wasser. Ein besonderes Beispiel ist das wunderschön gelegene Bandipur, was übersetzt «Wald-Wasser» bedeutet.


Photo: © Miroslav Liska, dreamstime.com

Doch in dem Masse wie eine solche am Fuße eines Hügels gelegene Siedlung wächst, wird der Bedarf an Ressourcen und insbesondere an Bau- und Brennholz größer. Die Bewohner beginnen folglich nicht nur Bruchholz und einzelne Bäume aus dem Wald zu holen, sondern holzen sich quasi von der Siedlung den Hügel hinauf zum Gipfel. Die Holzentnahme wird deutliche größer als der Nachwuchs und so dauert es oft nur einige Jahrzehnte, bis der majestätische Siedlungshügel, das Wahrzeichen des Dorfes oder der Stadt, zum kahlen Hügel oder Kahlberg wird.

Liegt der Hügel entwaldet unter der Sonne und ist den schweren tropischen Regenfällen ausgesetzt, dauert es nicht lang bis der Oberboden bis zum Mutterfels erodiert. Und mit der Entwaldung des Berges versiegen auch dessen Quellen, so dass das ursprüngliche «Wald-Wasser-Dorf» bald weder Wasser noch Wald mehr hat. Wer nicht auswandert (zum nächsten Waldhügel), muss den Lebensstil und Ressourcenverbrauch stark einschränken. Und sobald der Oberboden einmal erodiert ist und auf dem Hügel auch kein Wasser mehr vorhanden ist, kommt auch niemand mehr auf die Idee, den Hügel wieder zu bewalden, denn dafür müsste man nicht nur Kompost, sondern auch wöchentlich Wasser vom Dorf den Hügel hinauftragen. Dann dauert es auch nur noch ein oder zwei Generationen, bis niemand mehr auch nur die Vorstellung hat, dass der Hügel sich einst mit wildem Wald und Tieren hinter dem Dorf erhoben hatte.
Beispiele solcher Kahlbergdörfer finden sich vom Italien des Römischen Reiches durch ganz Anatolien den Kaukasus und Hindukusch entlang bis ans ostchinesische Meer. Kahlberge sind Kennzeichen jeder Zivilisation seit dreitausend und mehr Jahren.

Aufforstung des Kahlbergs von Bandipur

Seit ich 2014 erstmals nach Bandipur kam und in der Abendstimmung mit Blick ins Himalaya den Kahlberg bestieg, war es mein Traum, diesen wunderschön geformten Berg mit dem einmaligen Blick zu den Gipfeln der 8000er wieder zu bewalden und wie in den Wäldern der Nachbarberge die Affen an Lianen von Baum zu Baum schwingen zu sehen.



Die Aufforstung von Kahlbergen schützt diese vor weiterer Erosion und gefährlichen Erdrutschen. Die Erde wird wieder fruchtbar, Wildtiere kehren zurück. Bereits nach einigen Jahren sprudeln dann auch die Quellwasser wieder, denn die Baumwurzeln machen das Erdreich durchlässiger und erhöhen zugleich die Wasserspeicherfähigkeit. Anstatt in Sturzbächen den kahlen Berg hinunterzuschießen, wird das Wasser in die Tiefe des Bodens geführt, wo es die Quellen wieder füllt. Der Wald wird die Attraktivität und Schönheit des Ortes weiter steigern, die Artenvielfalt und das lokale Klima verbessern. Zudem wird der Wald als Speicher für über tausend Tonnen Kohlenstoff dienen, und so die Emissionen sowohl der Stadt als auch der Unterstützer des Projektes kompensieren.

Das Pflanzen von Bäumen in diesem stark erodierten, felsigen Boden ist allerdings in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. Der Boden ist arm an Nährstoffen und biologischer Aktivität, was das Wachstum und die Gesundheit der Bäume beeinträchtigt. Aufgrund der geringen organischen Bodensubstanz ist die Wasserspeicherkapazität so gering, dass die Bäume während der langen Trockenperioden in der Wintersaison nicht genügend natürliches Wasser finden. Da es auf dem Hügel keine Wasserquelle oder Wasserleitung gibt, müsste das gesamte Bewässerungswasser von der Stadt bergauf befördert werden. Da keine Straße zur Spitze des Hügels führt, müsste das Wasser auf Rücken und Schultern getragen werden, was für die Bewässerung von Tausenden von Bäumen nicht machbar ist. Darüber hinaus ist der Hügel steil und exponiert, was es noch schwieriger und gefährlicher machen würde, das Wasser auf die einzelnen Bäume zu verteilen.

Diese vielfältigen Herausforderungen scheinen unüberwindbar und waren in der Tat der Grund, warum der berühmte Bandipur-Hügel seine Waldbedeckung nicht früher wiedererlangt hat. Um das Überleben und das Wachstum der Bäume trotz des steilen, felsigen und armen Bodens mit ausgedehnten Dürreperioden zu gewährleisten, entwickelte das Ithaka-Institut eine neue Strategie zur Wiederaufforstung von Kahlbergen. Diese Strategie beinhaltet u.a. die:
  • Verwendung von Bodenhilfsmitteln auf der Basis von Pflanzenkohle, um die Nährstofffreisetzung und die Wasserretention zu verbessern.
  • Installation von Wasserbox-Bewässerung, um den kapillaren Wassertransport aus dem Untergrund zu stimulieren.
  • Anlage von Wasserauffangbecken zur Akkumulation von Regenwasser.
  • Sammlung von natürlichen Bewässerungswasser durch Nebelkondensation auf dem Hügel.
heureka gehört bereits seit 2014 zum Freundeskreis des Ithaka-Institutes und hat seither mehrere Projekte vom klimapositiven Teegarten, dem Bau erdbebensicherer Bauernhäuser, multifunktionaler Waldgärten sowie der Einführung einer eigenen Kaffeekultur in Nepal unterstützt. Die Aufforstung des Berges von Bandipur fördert heureka mit einer Spende für die Pflanzung und Pflege von 250 Bäumen. Durch die finanzielle Hilfe des Ithaka Freundeskreises sowie durch persönliche CO2-Abos konnten 2019 bereits über 9000 Bäume am Bandipurberg gepflanzt werden. Im kommenden Jahr werden wir noch einmal ungefähr die gleiche Anzahl Bäume hinzupflanzen. Und in der näheren Umgebung haben wir bereits fünf weitere Kahlberge identifiziert, an deren Fuß die Dörfer in der Trockenzeit kein Quellwasser mehr haben.
Werden auch Sie Mitglied im Freundeskreis des Ithaka Institutes oder kompensieren Sie mit opulenten Waldgärten Ihre Klimaemissionen. Kontaktieren Sie uns unter: schmidt@ithaka-institut.org

www.ithaka-journal.net/aufforstung-kahler-berge

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